Interventionelle Radiologie in der CT: Fortbildung der SVMTR Sektion Deutschschweiz


Sari Tillmann

Am 11. Februar 2026 fand die Fortbildung «Interventionelle Radiologie in der CT» der SVMTR Sektion Deutschschweiz statt. 49 Teilnehmende nutzten die Gelegenheit, ihr Wissen im Bereich der CT-gestützten Interventionen zu vertiefen. Die Referentin Natércia Soares vermittelte die Inhalte praxisnah und strukturiert, wobei die Patient:innen stets im Zentrum aller Überlegungen standen.

Laborwerte – Grundlage für sichere Interventionen
Ein wesentlicher Schwerpunkt lag auf der Beurteilung relevanter Laborwerte, welche vor interventionellen Eingriffen zwingend überprüft werden müssen. Besonders die Gerinnungsdiagnostik ist entscheidend, um potenzielle Blutungsrisiken frühzeitig zu erkennen.

Der Quick-Wert gibt die Blutgerinnungszeit im Vergleich zu einer Standardprobe an und wird häufig zur präoperativen Abklärung oder zur Kontrolle einer Antikoagulation eingesetzt. Der Normbereich liegt zwischen 70 und 120 Prozent. Werte unter 70 Prozent erfordern zwingend eine Rücksprache mit der Radiologin oder dem Radiologen sowie der behandelnden Ärztin beziehungsweise dem behandelnden Arzt, da das Blutungsrisiko erhöht ist. Als Nachteil wurde die eingeschränkte Vergleichbarkeit aufgrund laborspezifischer Unterschiede genannt.

Der INR-Wert bietet im Vergleich dazu eine bessere Standardisierung und Vergleichbarkeit. Der Normwert liegt zwischen 0,85 und 1,15. Quick und INR verhalten sich dabei gegenläufig.

Ergänzend wurden die Thrombozyten thematisiert, welche eine zentrale Rolle in der primären Hämostase spielen. Der Normbereich liegt zwischen 150 000 und 400 000 pro Mikroliter.

Auch die Nierenfunktion ist insbesondere im Hinblick auf die Kontrastmittelgabe von grosser Bedeutung. Das Kreatinin dient als indirekter Marker der Nierenfunktion, wobei der Wert von Faktoren wie Alter, Geschlecht und Muskelmasse abhängt. Ergänzend dazu wurde die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) erläutert, welche berechnet wird und angibt, wie viel Blut die Nieren pro Minute filtern können. Kreatinin und GFR zeigen ebenfalls ein gegenläufiges Verhalten.

Medikamente und Sedierung in der interventionellen CT
Im nächsten Teil der Fortbildung wurden die in der interventionellen CT häufig eingesetzten Medikamente besprochen.

Lokalanästhetika blockieren die Aktionspotenziale der Nerven und werden oft mit Vasokonstriktoren kombiniert. Durch die Beimischung von Adrenalin oder ähnlichen Substanzen kommt es zu einer verlängerten Wirkdauer, einer reduzierten Durchblutung und einer besseren Übersicht im Interventionsgebiet. Die maximale Lidocain-Dosis bei Erwachsenen beträgt 400 mg. Mögliche Kontraindikationen wie Überempfindlichkeiten oder Sulfitintoleranz müssen dabei beachtet werden.

Zur Sedierung und Angstlösung kommen häufig Benzodiazepine zum Einsatz. Temesta® wird in der Regel ein bis zwei Stunden vor dem Eingriff verabreicht, während Midazolam aufgrund seiner hohen Lipophilie einen raschen Wirkungseintritt nach intravenöser Gabe zeigt.

Die Wahl der Sedierungsform richtet sich nach verschiedenen Faktoren wie Eingriffsart, Dauer und Status der Patient:innen. Unterschieden wird zwischen:

  • leichter Sedierung mit wachen, ansprechbaren Patient:innen
  • mässiger Sedierung mit schläfrigen, aber gezielt ansprechbaren Patient:innen
  • tiefer Sedierung mit stark reduzierten Schutzreflexen
  • Vollnarkose mit gesichertem Atemweg und vollständiger Überwachung

Betont wurde die Bedeutung einer frühzeitigen Planung mit der Anästhesie sowie einer klaren Absprache der Lagerung von Patient:innen.

Ablauf einer CT-gestützten Intervention
Der reibungslose Ablauf einer interventionellen CT beginnt lange vor dem eigentlichen Untersuchungsstart. Die Patient:innen werden in der Regel vorgängig durch die interventionellen Radiolog:innen aufgeklärt, zudem müssen Einverständniserklärungen und aktuelle Laborwerte vorliegen. Ebenso wird überprüft, ob Antikoagulantien korrekt pausiert wurden und ob relevante Voraufnahmen vorhanden sind.

Zur strukturierten Vorbereitung gehören unter anderem:

  • Klärung der optimalen Lagerung von Patient:innen
  • Kontrolle des benötigten Materials
  • frühzeitige Einbestellung der Patient:innen
  • Verabreichung notwendiger Medikamente bei Bedarf

Die Untersuchung selbst startet mit einem Topogramm und der Planung der Spirale. Die Radiologin oder der Radiologe definiert die Interventionsschicht, markiert die Einstichstelle und führt nach lokaler Betäubung die entsprechende Nadel ein. Kontrollscans dienen der Überprüfung der korrekten Lage.

Gerätetechnik und Strahlenschutz
Verschiedene technische Möglichkeiten unterstützen die präzise Durchführung von CT-Interventionen. Bei Siemens-CT-Systemen werden hierfür Funktionen wie iSequence, iFluoro oder iSpiral eingesetzt. Die iSequenz bietet eine hohe Bildqualität bei geringer Strahlendosis, während iFluoro eine Echtzeitbildgebung ermöglicht, jedoch mit einer höheren Strahlenbelastung verbunden ist. Die iSpiral eignet sich besonders für grössere Volumen. Zusätzlich wurde der myNeedle Companion von Siemens vorgestellt, der mittels Laserführung und 3D-Nadelplanung eine wertvolle Unterstützung bei komplexen Interventionen darstellt.

Der Strahlenschutz wurde sowohl aus Sicht der Patient:innen als auch des Personals thematisiert. Ziel ist stets eine möglichst geringe Dosis durch kleine Planungs-CTs, eine geeignete Sequenzwahl und eine stabile Lagerung. Für das Personal gilt, den Raum während der Strahlenabgabe möglichst zu verlassen oder sich korrekt geschützt hinter Bleiwänden oder neben der Gantry zu positionieren.

Interventionelle Verfahren

Infiltration
Infiltrationen sind eine häufige, minimalinvasive Methode zur Behandlung von Rücken- und Nervenwurzelschmerzen. Ziel ist es, Schmerzen zu lindern, Entzündungen zu reduzieren und die Lebensqualität der Patient:innen zu verbessern. Die CT-Steuerung ermöglicht eine präzise Nadelführung, insbesondere in anatomisch komplexen Regionen.

Formen der Infiltration:

  • Epidural: Injektion in den Epiduralraum zur Entzündungshemmung bei Bandscheibenvorfällen oder Spinalkanalstenosen
  • Facettengelenk: Direkt in die kleinen Wirbelgelenke, vor allem bei degenerativen Veränderungen oder Arthrose
  • Periradikulär: Platzierung der Nadel nahe der Nervenwurzel zur gezielten Schmerzreduktion bei radikulären Syndromen

Drainage und Biopsie
Drainagen dienen der gezielten Ableitung von Flüssigkeiten oder Eiter aus dem Körper, zum Beispiel bei Abszessen oder postoperativen Flüssigkeitsansammlungen. Unter CT-Kontrolle kann die Punktionsnadel sicher geführt und der Katheter exakt platziert werden, um eine effektive Entlastung zu gewährleisten.

Biopsien ermöglichen die gezielte Entnahme von Gewebeproben zur histologischen Abklärung von Tumoren, Entzündungen oder unklaren Läsionen. Die CT-Steuerung gewährleistet eine präzise Nadelführung, minimiert Risiken und erhöht die diagnostische Aussagekraft.

Knochenmarkbiopsien werden meist am hinteren Beckenkamm (Ilium) durchgeführt. Die Patientin oder der Patient liegt in Bauchlage, die Nadelposition wird unter CT-Kontrolle geplant und überprüft. Dieses Vorgehen sichert eine exakte Probenentnahme und reduziert Komplikationen.

Externe Ventrikeldrainage
Die externe Ventrikeldrainage (EVD) ist ein minimalinvasives Verfahren zur temporären Ableitung von Liquor cerebrospinalis bei gestörtem Abfluss, zum Beispiel infolge einer Hirnblutung, eines Tumors oder eines Hydrocephalus.

Der Eingriff erfolgt in der Regel unter Intubation, um Atemweg und Sicherheit von Patient:innen zu gewährleisten. Nach sorgfältiger Planung wird die Kalotte punktiert und über einen Bolzen eine Hohlnadel in das betroffene Ventrikelsystem eingeführt. Anschliessend wird der Drainageschlauch platziert, um den Liquor oder gegebenenfalls Blut gezielt abzuführen und den intrakraniellen Druck zu senken.

Die CT-Steuerung ermöglicht eine präzise Positionierung, minimiert das Risiko von Fehlplatzierungen und gewährleistet die Sicherheit in diesem heiklen Bereich. Aufgrund der möglichen Blutungen muss das CT während der Intervention sorgfältig abgedeckt werden.

Perkutane Ablationsverfahren
Perkutane Ablationsverfahren sind minimalinvasive Methoden, um Tumorgewebe gezielt zu zerstören. Unter Bildgebungskontrolle, meist CT-gesteuert, können Tumore präzise behandelt werden, ohne dass ein chirurgischer Eingriff notwendig ist. Es stehen verschiedene Techniken zur Verfügung, die sich in Wirkprinzip, Zielgebiet und Einsatzgebiet unterscheiden.

Mikrowellenablation (MWA)
Bei der Mikrowellenablation wird Mikrowellenenergie genutzt, um Wärme im Gewebe zu erzeugen. Diese Wärme zerstört das gesamte Zielgewebe. MWA eignet sich besonders für grössere Tumore, zum Beispiel in Leber oder Lunge. Vorteile sind die schnelle Behandlung, grössere Ablationszonen und die Möglichkeit, mehrere Sonden gleichzeitig einzusetzen. Zudem wird die Wirkung weniger durch Blutzufuhr beeinträchtigt (geringer Heat-Sink-Effekt). Nachteilig ist, dass die Präzision im Vergleich zur Radiofrequenzablation geringer ist, was bei Tumoren nahe empfindlicher Strukturen zu erhöhtem Risiko führen kann.

Radiofrequenzablation (RFA)
Die Radiofrequenzablation nutzt Radiowellen, die durch das Gewebe fliessen und dort Wärme erzeugen, um Tumorzellen abzutöten. RFA erzeugt tendenziell kleinere, aber präzise Ablationszonen, was insbesondere bei Tumoren in der Nähe wichtiger Strukturen vorteilhaft ist. Nachteil ist ein stärkerer Heat-Sink-Effekt, etwa durch nahegelegene Blutgefässe, der die Effizienz der Ablation reduzieren kann.

Cryoablation
Die Cryoablation arbeitet entgegengesetzt: Hier wird Tumorgewebe durch extrem niedrige Temperaturen vereist und zerstört. Dieses Verfahren eignet sich für Tumore in Leber, Prostata, Nieren, Lunge oder Schilddrüse. Vorteile sind geringere Schmerzen im Vergleich zu thermischen Methoden, weniger Narbenbildung und die Möglichkeit, Tumore nahe empfindlicher Strukturen zu behandeln. Nachteilig ist die geringere Erfolgsquote bei grösseren Tumoren und dass das Verfahren nicht für alle Tumorarten geeignet ist.

Fazit
Die Fortbildung zeigte eindrücklich, dass erfolgreiche CT-Interventionen auf mehreren Säulen beruhen:

  • sorgfältige präinterventionelle Abklärung
  • fundierte Kenntnisse zu Sedierung und Medikation
  • strukturierter Ablauf
  • konsequenter Strahlenschutz
  • enge interdisziplinäre Zusammenarbeit


Vorschaubild: KI-generiert mit ChatGPT 


Kontakt:
Sari Kirsten Tillmann
dipl. Radiologiefachfrau HF
Zuger Kantonsspital
6340 Baar
sari.tillmann@datazug.ch

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