Eine unerwartete Sitzung … und ein noch unwahrscheinlicherer Besuch
Isabelle Gremion
Der Saal der Eventfabrik in Bern war an diesem Samstag, dem 15. November, voll – voll mit Radiologiefachpersonen, neugierigen Blicken und dieser Atmosphäre, die entsteht, wenn man einen Beruf teilt, in dem der Mensch genauso wichtig ist wie die Technik. Das Thema des Tages lautet «Hypnose und Kommunikation mit schwierigen Patient:innen».
Die Atmosphäre ist konzentriert, interessiert, bis der Moment kommt, in dem eine Freiwillige oder ein Freiwilliger für eine Hypnosedemonstration gesucht wird. Ich habe keine Klaustrophobie – ein Problem, dem Radiologiefachpersonen bei ihren Patient:innen oft begegnen – aber ich bringe eine andere, sehr reale Phobie mit. Adrian Brüngger, der Hypnosetherapeut, der uns eine Demonstration geben soll, akzeptiert meinen Vorschlag sofort. Eine Schlangenphobie ist immerhin auch etwas – und steht einem MRT-Tunnel kaum nach.
Also steige ich auf die Bühne, setze mich auf den für diesen Anlass bereitgestellten Stuhl, mit dem leisen Gefühl, mich gleich vor einem Publikum von Kolleg:innen zu öffnen. Das erzeugt eine gewisse Anspannung, eine ausgestellte Verletzlichkeit. Adrian erklärt mir ruhig, was er tun wird, und schaut mich dabei mit seinen schönen blauen Augen an, als wäre all das völlig selbstverständlich.
Der Abstieg in einen veränderten Bewusstseinszustand, die Annäherung an die Phobie, ein kleiner Spaziergang ins Unterbewusstsein. Ganz einfach. Er beginnt mit dem Countdown: 10 … 9 … 8 … Die Zahlen fliessen dahin, und ich spüre, wie die Realität ein wenig von ihrer Schärfe verliert. 6 … 5 … 4 … Mein Geist lässt los. 3 … 2 … 1 … Und plötzlich befinde ich mich in einem inneren Raum, in dem sich die Emotionen nicht mehr hinter rationalen Mauern verstecken.
Adrian führt mich sanft an den Kern meiner Phobie heran. Kein Kampf. Keine Konfrontation. Nur ein leiser Impuls, eine Einladung, genauer hinzuschauen auf das, was mich seit so langer Zeit verletzt. Dann folgt eine EMDR-Übung (Eye Movement Desensitization and Reprocessing). Seine Finger bewegen sich vor meinen Augen in einer hypnotischen Choreografie, als würde er den Staub aus einer dunklen Ecke meines Gedächtnisses wischen. Die Sitzung geht weiter – umhüllend, eigenartig, aber friedlich. Dann kommt der Moment des Auftauchens. Adrian zählt erneut, als würde er mich nach einem tiefen Tauchgang an die Oberfläche zurückführen. Als ich die Augen öffne, fühle ich mich entspannt – wirklich entspannt. Mir ist warm, und ich habe das Gefühl, die Zeit sei wie im Schnelldurchlauf vergangen.
Zwei Tage später: die Prüfung im Vivarium
Seien wir ehrlich: Niemand hat mich gezwungen, so schnell ins Vivarium Lausanne zu gehen, auch wenn Adrian es empfohlen hat. Und dennoch bin ich hier. Ich betrete den Eingang – allein – mit dem leicht zitternden Entschluss einer Person, die sich ernsthaft fragt, ob das wirklich eine gute Idee ist.
Meine Hände werden in Rekordzeit feucht. Mein Herz rast, und ich bekomme Gänsehaut. Ich bereue ein wenig, keine moralische Unterstützung mitgenommen zu haben, niemanden gebeten zu haben, mich zu begleiten. Aber ich atme. Ich wiederhole Adrians Worte. Ich erinnere mich an das Gefühl von Ruhe während der Sitzung – und ich gehe weiter. Ein Schritt, dann noch einer. Ich nähere mich den Terrarien, in denen die Schlangen – vollkommen gleichgültig gegenüber meiner Existenz – ihr Leben führen: die eine eingerollt auf einem Ast, die andere in tiefster Reptiliensiesta, eine dritte, die mich mit … nun ja … mit ihrem Schlangenblick mustert: kalt, leer, unergründlich. Ich schaue hin. Ich halte durch. Mein Herz schlägt immer noch stark, aber ich fliehe nicht. Ich breche nicht zusammen. Ich bin da – direkt vor ihnen.

Die Phobie ist nicht verschwunden – kein Wunderheilungseffekt – aber etwas hat sich bewegt. Ein kleiner Schritt nach vorn, ein Stück eroberten Mutes. Und bei dieser Art von Angst zählt wirklich jeder Zentimeter.
Ich erfahre, dass das Vivarium Desensibilisierungstage organisiert. Und ich denke mir, dass es zwischen Hypnose, EMDR und vielleicht ein paar betreuten Begegnungen mit diesen schuppigen Geschöpfen doch Hoffnung gibt, diese Angst, die ich selbst als «blöd» bezeichne, endlich zu verkleinern – auch wenn sie, seien wir ehrlich, ziemlich verständlich ist. Denn schliesslich … bleiben es nun mal Schlangen!
Adrian Brüngger, CEO von OMNI Hypnosis International, referierte am 15. November 2025, am Tag der Radiologiefachpersonen in Bern, zum Thema «Hypnose im Klinikalltag: Einfach zu erlernen, zuverlässig in der Anwendung».
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